NACH 43 STUNDEN AUS DEM MEER GEFISCHT So erlebte Skipper Stuart das Wunder seiner Rettung

Endlich wieder auf festem Land. Stuart Bee ist einfach nur froh, am Leben zu sein. Auch wenn er alles verloren hat – und seine Bootsfahrt ganz woanders und auf einem weit größeren Schiff endete.

Seine unglaubliche Überlebensgeschichte hat Amerika und die Welt fasziniert. Der 62-Jährige war am Freitag mit seinem zehn Meter langen Boot „Sea Ray“ von Port Canaveral (US-Bundesstaat Florida) in See gestochen.

„Ich wollte Sternegucken“, sagt er zu BILD nach der Ankunft im Hafen von Wilmington im US-Bundesstaat Delaware: „Es war wunderschön dort draußenn"

Doch dann drang am Samstag plötzlich Wasser ein, das Boot begann zu sinken. Der Mann mit ergrautem Vollbart klammerte sich an den Rumpf des gekenterten Schiffes. „Ich blickte um mich, sah nichts als das Meer“, erzählt er über die Odyssee.

Die ganze Nacht über schwankte er zwischen Hoffnung und Verzweiflung, mehr als 140 Kilometer von der Küste entfernt. „Wenigstens gab es einen Vollmond, es war nicht so dunkel“, erzählt Bee den BILD-Reportern. Und weiter: „Ich hatte ein paar Polster, an die ich mich klammerte im Wasser – und den Bug, aber ich fürchtete, dass das Boot ganz sinken könnte, deshalb ließ ich auch die Poster nicht los!“

Nachdem Bee als vermisst gemeldet wurde, hatte die Küstenwache mit HC-130-Maschinen einen ersten Suchflug gestartet. Erfolglos. Die Offiziellen funkten aber auch eine Meldung an alle Schiffe in der Gegend, nach einem Schiffbrüchigen Ausschau zu halten.

Und auch deshalb gab es wohl am Sonntag das Wunder: Die Crew eines 225 Meter langen Container-Schiffs, die in Liberia registrierte „Angeles“ am Weg von der Karibik nach Wilmington (US-Staat Delaware), entdeckte den Schiffbrüchigen in den Weiten des Meeres.

„Ich sah das Schiff am Horizont und dann kam es näher“, sagt er: Er winkte und schrie. Dann hörte er das Dröhnen des Schiffssignals: „Da wusste ich, dass die für mich kommen!“

Als der gigantische Dampfer wenige Meter entfernt ist, werfen Matrosen einen Schwimmreifen ins Wasser. Bee klettert an einer Strickleiter empor.

Der Moment, als er mit erschöpftem, aber glücklichem Gesicht an Bord kommt, ist in einem bewegenden Schnappschuss festgehalten.

„Mich bewegte zuerst, welche Freude die Crew hatte, dass sie mich entdeckten“, sagt Bee: Dann wäre er einfach nur überwältigt gewesen vom Gefühl, „in Sicherheit zu sein“.

Nach der Rettung wäre alles besser gewesen, als auf einem Kreuzfahrtschiff, sagt er nach dem Landgang im Port of Wilmington, nachdem der Frachter, beladen hauptsächlich mit Chiquita-Bananen, angedockt war. „Ich war mal auf einem Kreuzfahrtschiff, aber das war alles viel besser“, muss er lachen.

Die Seeleute gaben ihm frische Kleidung, Essen und Getränke. Es gefiel dem Geretteten so gut, dass er ein Angebot der US-Küstenwache ablehnte, mit einem kleinen Boot direkt nach Florida zurückkehren zu können. So landete er mehr als tausend Kilometer entfernt am Dienstag in Delaware.

Seine Nichte traf Bee dann am Flughafen in Philadelphia, um ihm abzuholen. „Er hat alles verloren“, sagt sein Bruder Stephen Bee (69). Der Seefahrer hatte in seinem Boot auch gelebt. Sogar seine Brillen fielen ins Wasser, als er frenetisch dem Frachtschiff zuwinkte.

Der Medienrummel bei seiner Ankunft war ihm sichtlich unangenehm. „Sonst bin ich der uninteressanteste Mann der Welt“, witzelt er vor den gebündelten Mikrofonen.

Rührend sind die Szenen, als er sich an Bord nochmals schnell von seinen Rettern verabschiedet hatte. „Das sind die besten Leute, dich ich jemals kennengelernt hatte“, sagt er später. Die Crew winkt, als er die Stufen hinuntersteigt auf den Pier. Das Schifffahrtsunternehmen hatte den Matrosen untersagt, mit der Presse zu reden.

Als er mit einem Minivan weggefahren wird, klatschen und johlen sie nochmals. Es ist die schiere Freude, ein Menschenleben gerettet zu haben.

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